„Wir freuen uns `nen Ast“

Bremen 26. September 2020

Mit „Seemannströdel“ hat das HafenRevueTheater die Saison eröffnet – Theater in Zeiten von Corona: Viel Musik, viel Humor, viel Applaus

Die Spielfreude war ihnen deutlich anzumerken: „Wir freuen uns `nen Ast, wieder hier zu sein“, sagte Darsteller Gordon Golletz dann auch, nachdem er mit seinen Kolleg/innen Britta Riethausen, Janina Schwarz und Martin Gresselmeyer über zwei Stunden lang das Publikum im HafenRevueTheater begeistert hatte. Das Besondere: Erstmals seit dem Corona-Lockdown im Frühjahr war das Ensemble wieder in geschlossenen Räumen zu sehen – „endlich“, so der einhellige Tenor, „so schön das draußen auch war“. Im Sommer hatte das HafenRevueTheater bekanntlich mit großem Erfolg einige Vorstellungen im Hof gespielt. 

Jetzt durften sie also wieder im Theater ran. Zur offiziellen Saisoneröffnung wurde am Samstag Abend ein Stück aus dem Repertoire gegeben, das schon im vergangenen Jahr die Lacher auf seine Seite gezogen hatte: In „Seemannströdel“ (Untertitel: „Ist das schon Krimi oder kann das weg?“) geht es um einen mysteriösen Diebstahl, verbunden mit einem Familiendrama und einer unglücklichen Liebesgeschichte. Auch Irmtraudt Kowalciewicz (gespielt von Britta Riethausen), der ein vermeintlich wertvolles Gemälde von Goya gestohlen wurde, bemüht sich um die Liebe. Der von ihr verehrte Kommissar Jens Kahlsen muss aber zunächst einmal den Diebstahl aufklären, was ihm allerdings nicht ganz leicht fällt, denn: Kommissar Kahlsen ist nicht der Hellste. Der besserwisserische Privatermittler Bernd Schlüter (Martin Gresselmeyer) bringt zusätzlich Unruhe – und dann ist da noch die junge Manuela Haselfeldt (Janina Schwarz), die einerseits noch um den Tod ihrer Mutter trauert, andererseits auf die große Liebe mit dem US-Soldaten Harry (in einer Doppelrolle: Gordon Golletz) hofft. 

Die zwischenzeitliche Verwirrung der handelnden Personen ist dabei bis zur großen Auflösung ebenso garantiert wie reichlich Humor – und natürlich sehr viel Musik. Autor, Regisseur und Theaterleiter Ulrich Möllmann hat dabei viele Klassiker in die Handlung eingebunden und sie, wenn es sein musste, auch sprachlich angepasst – so wurde aus Alexandras Schlager-Klassiker mit dem heute nicht mehr zeitgemäßen Titel „Zigeunerjunge“ kurzerhand der „Soldatenjunge“, hinreißend schmachtend vorgetragen von Janina Schwarz, und Gordon Golletz darf als Jens Kahlsen schön bremisch reimen: „Vom Riensberg bis zum Buntentor nehm ich mir jeden Schurken vor.“ Auch sonst ziehen die vier Sängerdarsteller/innen und die nicht minder starke Pianistin Ulrike Lippe an diesem Abend alle Register, für Stücke wie „Just A Gigolo“, „Criminal Tango“, „Cabaret“, „Wenn Du denkst Du denkst dann denkst Du nur Du denkst“ oder dem tollen Medley aus Kool and the Gangs „Celebration“ und „Let The Sunshine In“ aus dem Musical „Hair“ gibt es immer wieder Szenen-Applaus. Fast könnte man denken, dass weit mehr als die 35 Menschen im Theatersaal sind, die an diesem Abend Corona-bedingt (statt der sonst üblichen 90 Personen) nur zugelassen sind.

Denn auch das ist natürlich eine Geschichte dieses Abends: Gespielt wird Theater in den Zeiten von Corona. Bis zu ihrem Platz müssen die Theaterbesucher ihre Masken tragen, was absolut reibungslos funktioniert – ebenso wie die Wahrung des Abstands. Eine größere Gruppe, die vor der Vorstellung noch ein Essen gebucht hatte, sitzt an Tischen, andere Zuschauer auf einzelnen Stühlen am Ende des Saals. Mitarbeiterinnen, die Getränke servieren, tragen ihren Mund- und Nasenschutz ebenso wie Theaterleiter Möllmann, der an diesem Abend Ton und Licht steuert. Theater in Zeiten von Corona – das funktioniert an diesem Abend so gut, dass man die besonderen Umstände nach einer kurzen Weile glatt vergisst.

Und weil die Stimmung so gut ist, die Sängerdarsteller so viel Lust haben, gibt es nach dem Theaterstück auch gleich noch ein paar Zugaben, drei an der Zahl. Dabei präsentiert das Hafen RevueTheater unter anderem seinen (gar nicht mehr so) heimlichen Hit, „Sehnsucht nach dem Hafen“, toll gesungen von Gordon Golletz, und zuletzt „Musik, Musik, Musik“. Was will man mehr! Der Dank ist ein lange anhaltender Applaus.